Elektrik Kezy Mezy
ElektriCity
Sehr wahrscheinlich gibt es kaum ein intensiveres Gefühl als Schmerzen. Egal ob Kopfschmerzen, Zahnschmerzen oder Ohrenschmerzen, sie müssen nur stark genug sein, um als Zentrum allen Darseins der Betroffenen zu erscheinen. Umso bemerkenswerter ist es, dass niemand der Betroffenen sich an dieses intensive Gefühl erinnern kann, sobald die Schmerzen erst einmal verflogen sind. Lediglich ein abstraktes Wissen darüber, dass sie, wie auch immer geartet, weh taten, ist vorhanden. Nun könnte man der Münchner Formation Elektrik Kezy Mezy locker eine musikalische Umsetzung solcher Schmerzen unterstellen, zumindest, was die Intensivität ihrer Musik betrifft, die im perfekten Zusammenspiel der beiden Musiker eine Basis schafft, aus der beide Beteiligten in ihrem exzessiven Spiel ausbrechen können, ohne die Songstrukturen selbst zu gefährden. Songstrukturen, die denen alter Vorbilder etwa aus den wilden Sechzigern folgen, ohne sie mit einer geschichtsfälschenden Nostalgie wieder aufwärmen zu wollen. Vielmehr beweisen Elektrik Kezy Mezy die Aktualität eines Northern Souls ebenso wie die eines Beat-geprägten Garagen-Rocks, ohne beide Musikrichtungen all zu puristisch zu kopieren. Damit erfinden sie die Glühbirne zwar nicht neu, lassen sie aber so hell wie schon lange nicht mehr erstrahlen. Und genau das ist der Moment, wo ich sie mit den eingangs benannten Schmerzen vergleichen mag: diese Wirkung, die von der Zwei-Mann-Band ausgeht, wenn man sie live erlebt: wenn der Gitarrist gleich sämtliche Gitarrenheldenauf einmal sein mag, die ihm den Weg ebneten, mal Dandy-haft den Marc Bolan gibt, mal rüpelhaft den Angus Young, derweil seine Stimme sich an den Liedern aufreibt und sich heiser über die Akkorde und Gitarrensoli legt, die der Schlagzeuger regelrecht zusammenprügelt, so, als wäre Animal, und nicht Kermit, der Frosch, der Held der Muppetsshow gewesen, und als habe diese Fernsehshow aus seiner Kindheit ihm jedes Interesse am Geigenspiel ausgetrieben. Wer diese Band je live erlebt hat, hat am nächsten Tag nur noch ein abstraktes Wissen darüber, dass er ein Superkonzert erlebt hat. Erst beim nächsten Konzertbesuch wird er sich daran erinnern, wie super diese Band tatsächlich ist. Wird er erkennen, wieviel von ihrer Live-Qualität er trotz größter Begeisterung längst vergessen hat. Ein Stück dieser Live-Qualität kann man auch ihrer Schallplatte nachempfinden, die du nun in deinen Händen hälst. Bewusst nutzen Elektrik Kezy Mezy auch in ihrer Studioarbeit nur sehr sparsam ein paar Overdubs, hier und da mal eine zweite Gitarre, eine zweite Stimme oder gar ein Glockenspiel, ansonsten präsentieren sie auch auf Platte ihre Diamanten roh und ungeschliffen und ziehen leichte Übersteuerungen einem polierten Klang vor. Und dann brechen sie mit einem Stakkato ein Gitarrenpicking, mit dem die Rolling Stones noch den Rücklichtern abfahrender Züge hinterher weinten. Statt diesem sehnsüchtig hinterher zu winken, heizen Elektrik Kezy Mezy dem Zug ein, geben volle Fahrt und erweisen sich schließlich als die Lokführer, die schon lange nicht mehr den vorgegebenen Schienen folgen. Vielmehr scheinen die Schienen ihnen zu folgen und vermitteln somit den Eindruck einer Nostalgie, die Elektrik Kezy Mezy längst schon mit ihrer Aktualisierung einer vergangenen Poptradition gebrochen haben. Denn ihre Musik ist weder für die Vergangenheit gemacht noch für eine wie auch immer geartete Zukunft, sondern einzig für das hier und jetzt, für den Moment, in welchem Rock´n´Roll entsteht: jetzt und jetzt und jetzt und jetzt...
"Bei der Instrumentierung ... liegt er mal wieder verlockend nahe, der Vergleich mit Johnossi oder den White Stripes. Ist hier aber auch hilfreich, denn Fans der Genannten kommen bei Elektrik Kezy Mezy sicher auf ihre Kosten... (8 Punkte/durchweg sehr gut)"
Dirk Siepe, Visions (#197, Aug 09)
"Eine Band zum Biertrinken und Nachfühlen, was man in den 60ern so alles verpasst hat."
Holger Wendt, Intro (#173, Juli 09)
"Das ist blutiger Dreck auf höchster Ebene, kombiniert mit selbstironischen Momenten, die Jack White garantiert noch blasser wirken lassen und die Black Keys nervös schwitzen lassen werden… ...zwischen euphorischem Punk und Urban Blues der übelsten Sorte…Sehr gut, setzen! (9/10)"
Slam (#44)
"Das bayerische Duo Elektrik Kezy Mezy gräbt ganz tief in den Sixties und Seventies und formt aus dem Matsch einen musikalischen Bastard aus Garagenblues, Rock und wunderbarerweise immer wieder Motown-Soul, der einem schon beim ersten Song 'nen Drink in die Hand drückt und zum Tanz auffordert. "
Ox Fanzine (#84)